Ein Ende zum Vergessen…

Ein Ende zum Vergessen…

So wollte ich die heurige Saison definitiv nicht beenden… Während die anderen in Aare beim Finale um die letzten Weltcuppunkte fuhren, musste ich im Krankenhaus in Schladming das Bett hüten. Dass ein relativ glimpflicher Sturz solche Folgen haben kann, hätte ich mir auch nie gedacht. Beim Training auf der Reiteralm vor knapp zwei Wochen stürzte ich und prallte in eine Plastikstange der Absperrung. Zwei Zentimeter weiter rechts und der Rückenprotektor hätte wohl alles verhindert. Aber so traf mich die Stange außerhalb des Rückenschutzes… Ich spürte zwar einen starken Stich, aber ich konnte noch ohne große Probleme ins Ziel fahren. Als ich im Ziel dann erstmals Blut spuckte, wurde mir ganz anders. Nix wie ab ins Krankenhaus nach Schladming – und dort wurde mir recht schnell die Diagnose mitgeteilt: Lungenquetschung und Läsion der Milz. Das bedeutete: völlige Bettruhe für die nächsten Tage und keine Bewegung. Das Problem war nämlich, dass sich in der Milz ein Bluterguss gebildet hatte. Und wenn der aufgebrochen wäre, hätte es innere Blutungen geben können… und dann will ich gar nicht mehr weiterdenken…

Eine Woche lag ich auf der Intensivstation, die letzten drei Tage im normalen Krankenzimmer. Es war eine richtige Geduldsprobe für mich, denn ich durfte überhaupt nichts machen, mich so gut wie gar nicht bewegen. Erstens, weil schon jede kleinste Bewegung Schmerzen verursachte, zweitens, weil man bei solchen Verletzungen echt aufpassen muss und damit nicht scherzen darf. Minuten fühlten sich wie Stunden an – wer schon einmal in so einer Situation war und die ganze Zeit über das Bett hüten musste, der weiß, was ich meine.

Am Sonntag durfte ich endlich das Krankenhaus verlassen. Und auch wenn das Spitalsteam in Schladming wirklich sehr nett war und ich mich bestens betreut gefühlt habe, war ich unendlich froh, dass ich endlich nach Hause durfte. Aber noch ist Schonung angesagt, in den nächsten Wochen gibt es absolutes Sportverbot. Ich werde mich daher ziemlich zurückziehen und mich vollständig auskurieren, bis alles wieder verheilt ist und nichts mehr passieren kann.

 

Nachdem ich ja genügend Zeit hatte, um eine Bilanz über die abgelaufene Saison zu ziehen – hier ist sie 😉

 

Was lief gut?
Der Saisonauftakt war natürlich der Wahnsinn. Nie und nimmer hätte ich gerechnet, dass ich bereits das erste Rennen in meiner Comebacksaison gewinnen könnte. In der Abfahrt in Lake Louise hat einfach alles perfekt funktioniert – das Material war top, die Sichtverhältnisse bei meiner Fahrt noch gut und zudem bin ich auch mit einer gewissen Lockerheit an den Start gegangen. Ich hätte ja nie mit einem Sieg spekuliert.
Sehr zufrieden bin ich auch mit der Tatsache, dass ich mich sehr schnell auf mein neues Material einstellen konnte. Ich habe ja während meiner Verletzungspause auf HEAD gewechselt, dementsprechend wenig konnte ich vor der Saison testen, ich stand erst im September erstmals auf den Skiern.

Was lief schlecht und muss besser werden?
Heuer hat definitiv die Konstanz gefehlt. Mir ist es nicht gelungen, mehrere Rennen hintereinander gut und schnell zu fahren. Einem Stockerlplatz folgte ein Platz im Mittelfeld, das zog sich wie ein roter Faden durch die Saison. An einem Tag hui, am nächsten Tag wieder pfui – das macht einen unzufrieden bzw. verunsichert so eine Formkurve, weil sie zum Teil gar nicht so leicht zu erklären ist. Im Endeffekt fehlten mir über die ganze Saison hindurch die Trainingskilometer im Sommer, man kann nicht alles innerhalb von wenigen Wochen aufholen, weil man ja während der Saison auch Regenerationsphasen braucht.
Das Gefühl bei den Sprüngen muss noch besser werden, da fahre ich vielleicht noch mit einer leichten angezogenen Handbremse. Bei den Sprüngen hab ich mitunter zu viel Zeit verloren. Ich bin mir aber sicher, dass dies im nächsten Jahr schon wieder ganz anders ausschaut.
Was sonst noch besser werden muss, betrifft vor allem den Terminkalender bzw. die Rennverantwortlichen: Es ist für uns Läuferinnen einfach extrem schwer, wenn man wochenlang kein Speed-Rennen hat, so wie es im Dezember der Fall war. Natürlich kann man nichts gegen schlechtes Wetter, aber heuer war es des Öfteren so, dass wir Trainingsläufe gar nicht durchführen konnten, weil die Pisten zu schlecht oder gar nicht präpariert waren. So etwas darf im Weltcup nicht passieren. Wir Läuferinnen investieren extrem viel in unseren Sport, riskieren unsere Gesundheit – da kann man dann schon verlangen, dass auch Veranstalter professionell arbeiten.

Highlight der Saison?
Ich würde gerne sagen, dass die Olympischen Spiele das Highlight waren, aber dafür waren meine Ergebnisse leider zu schlecht. Sicherlich ist es immer etwas Besonderes, wenn man bei Olympia an den Start gehen darf, aber wenn man keine Medaille macht, dann ist man enttäuscht. Und ich war aufgrund meiner Leistungen in PyeongChang sehr enttäuscht und brauchte einige Tage, bis ich mich wieder aufrappeln konnte.
So gesehen war das Highlight der Saison sicher der Sieg in der Abfahrt in Lake Louise. Ich glaube, dass es bis dato nicht vielen Skirennläufern gelungen ist, gleich das erste Rennen nach einer schweren Verletzung zu gewinnen. Somit konnte ich heuer doch auch ein Kapitel für die Geschichte in dieser Saison schreiben 😉

 

Greetz

Conny